Bibliothek


Schon lange nicht mehr hat die Welt
Wie goldene Sterne erscheint sie vor unseren Augen, unter unseren Füßen, in unseren Herzen. Sie läd uns ein zu verweilen, so lange wir wollen. Nichts ist begrenzt. Nichts ist unscheinbar. Nichts ist wertlos. Wir alle sind da. Wir alle können uns an der Liebe erfreuen. Wenn wir wollen. Wenn wir der Einladung folgen.




Ich Bin

Was ist es, das dich lockt?
Was ist es, das dich Früchte tragen lässt?
Was ist es, das dich umschwärmt?

Ist es das, was du denkst?
Das, was du fühlst?
Oder das, was dich umgibt, anstrebt und achtet?

Was du bist, ist rein wie Wasser aus dem Gletscher
Was du bist, ist klar wie Kristall aus dem ältesten Berg dieser Erde
Was du bist, ist voll wie das Meer an seinen Ufern
Was du bist, ist schöpfend aus der Quelle der göttlichen Vernunft, seines Gebahren und Gebärens
Seiner Stille und seines Elements, der Vollkommenheit.

Dieser Spruch, sag ich dir, bist du, die Vollkommenheit im Sein und Werden,
im Hier und Jetzt, im Morgen und Gestern, im Da und Dort, im Spiegel des Ursprunges,
im Licht und Schatten, im Wasser und der Erde, in der Luft und im Eis,
im Feuer und im Sterben, im Leben und im Fliegen, im Träumen und im Wachen.




Wie man das Fliegen lernt
Bevor du fliegen kannst, musst du das Laufen lernen.
Bevor du atmen kann, musst du aufhören die Luft anzuhalten.
Bevor du sprechen kannst, musst du deine Stimme benutzen.
Bevor du hören kannst, musst du still sein.
Und bevor du verstehen kannst,
dass das Fliegen und deine Sinne dieselbe Leidenschaft in sich tragen
... musst du lieben.




Eine Kurzgeschichte:
Ein Kind fragte einst einen Engel: „Sag, warum bin ich hier? Warum bin ich nicht woanders, wo´s schöner ist und es mir gut geht?“ Der Engel antwortet: „Das kann ich dir nicht sagen, liebes Kind.“ Empört dreht sich das Kind um und schmollt. Der Engel verschwindet und das Kind wird ihn einige Jahre nicht sehen.
Einige längere und zahlreiche Erfahrungen später sitzt das Kind auf einer Schaukel, schwingt in die Höhe, auf und nieder, vor und zurück, immer wieder aufs Neue. Sein Körper ist mittlerweile erwachsen geworden. Es schließt seine Augen, öffnet sie einen Moment später wieder, denn einen kurzen Augenblick lang schien es ihm, als sei das Licht hinter seinen geschlossenen Augenlidern heller als der Tag. Sich vergewissernd, dass die Sonne noch dasselbe Licht in den Tag hineinträgt, sieht es eine Gestalt vor seinen Augen. Sie steht da, wie Jahre zuvor. Doch diesmal erkennt das Kind, dass es sich gerade das zweite Mal selbst gesehen hat.
Wieder einige längere und zahlreiche Erfahrungen später sitzt das Kind abermals auf einer Schaukel. Eine etwas größere diesmal und mit weicher Polsterung, denn seine Knochen mögen harte Sitzflächen nicht mehr so gern. Es denkt an diese zwei Momente in seinem Leben zurück, als es den Engel gesehen hatte. Ein Lächeln umspielt seinen Mund und es ist dankbar und glücklich darüber wie schlau es doch von ihm gewesen war sich vor sich selbst versteckt zu haben. Es hätte sich nicht in diesem erwachsenen Körper so herrlich in die Lüfte schwingen lassen in der Hoffnung, dem Engel so wieder begegnen zu können. Es hätte nicht die Erfahrung machen können, sich selbst zu erkennen und die Freude des Lebendig-Seins zu spüren.

Und letztendlich wäre es ihm verwehrt geblieben sein Herz für seine größte Liebe zu öffnen, sodass seine große Liebe in diesem Moment mit ihm das weiche Polster teilen konnte.




Wahrhaftigkeit
Das Gedicht der Freiheit ist die Stimme des Windes.
Das Blut der Gerechtigkeit ist die Stimme der Waffen.
Das Gelübde der Ehrlichkeit ist der Frieden,
der seine Stimme am lautesten erhebt.

Wird diese Stimme leise,
so erfahre ich Schmerz.
Ist diese Stimme kaum hörbar für das menschliche Ohr:
Ist sie die lauteste.
Ist sie der Gerechtigkiet am nahesten.
Ist sie der Freiheit eine Weggefährtin.

Ist es Frieden, der leise zu mir spricht?
Kaum hörbar,
Und doch so laut, dass ich ihn unmöglich überhören kann.